2009-Pyrenäen

2009

So, nachdem der 2008er Intruderurlaub leider ausfallen musste
hat der 2009er V2-Urlaub stattgefunden.
V2-Urlaub statt Intruderurlaub deswegen, weil ich seit paar Monaten auf Harley unterwegs bin.

Unsere Route führte uns von Köln über Belgien, dann Paris und paar Zwischenorte
in die Pyrenäen und auch nach Andorra um von dort wieder mit
Zwischenzielen u.a. in den Vogesen zurück nach Köln zu kommen.

Anfahrt in die Pyrenäen

Kurzer Umriss:

eine Harley Fat Bob, zwei 1400er Truden, drei Kerle
12Tage, vier Länder, 4455km, keine Ausfälle oder Pannen, nur ein klitzekleiner Wegrutscher,
Fast immer gutes Wetter, Regen jedoch nur ca. 30km, Frost hatten wir für paar Minuten auch.

1. Tag (07.09.2009)

Endlich… das warten hat ein Ende.
Frechener Rastplatz an der A4 Richtung Aachen. 05:45Uhr, ca. 13°C und leichte Dämmerung.
Warten auf Frank und Rainer aus Bonn… Vorfreude auf tolle 12 Tage.
Ich bin bereit… die Harley auch, es kann los gehen!

Hola, die Kumpels kommen. Kurze Begrüßung aber alle wollten los, wollten weiter.
640km bis nach Olivet (unterhalb von Orleans) lagen vor uns.

Also rauf auf die V2’s und ab. Schnell haben wir per Autobahn Deutschland und Belgienhinter uns gelassen.
Ein paar Haken und Kreuzungen später… schon waren wir in Frankreich.

Irgendwo in der französischen Wallachei hatten wir unser erstes Frühstück.
Gut gestärkt ging es weiter gen Paris.
Immer über Land, ist klar.
Auf dem Weg nach Paris lief alles recht gut, so dass wir überlegten einen Zwischenstop am Eifelturm einzulegen.
Das allerdings hatte sich ganz schnell erledigt als wir in die Randbezirke von Paris kamen.
Stau vor uns, Stau neben uns, Stau hinter uns, Stau rundherum…
Und zwischen den Autostaus Rollerfahrer mit Affenzahn und auch Motorräder.
Da wir ja lernfähig sind verbrachten wir ca. 2min in Stau,
den Rest des Weges aus Paris zwängten wir uns an den Blechlawinen vorbei.
Der Besuch der Pariser Innenstadt war somit erledigt und geärgert hat es niemanden.

Also ging es auf direktem Wege an Orleans vorbei nach Olivet in unser Hotel.

Beim Umziehen im Hotel entschied sich der Plastikreißverschluss meiner Lederhose das zeitliche zu segnen.
Ich gönnte ihm den schnellen Tot und bat in der Reception um einen Tipp zum Austausch.
Im nahe gelegnenen Supermarkt gab es eine Schneiderei.
Dort sollte über Nacht die Hochzeit meider Lederbuxe mit einem unbekannten Reißverschluss satt finden.
Schaun mer mal…
Also zogen wir in Textilklamotten mit der S-Bahn, welche direkt hinter dem Hotel losfährt, wieder nach Orleans.
Hier besichtigen wir die Stadt von Jeanne d’Arc,
speisen zu Abend und lassen es uns einfach nur gut gehen…

Insgesamt verlief der heutige Tag zufriendenstellend.
Die Fahrt von Köln nach Olivet war nicht sehr aufregend aber o.k.
In Orleans kann man sicher einige Zeit zubringen, aber wir wollen keine Kultur…
…wir wollen Berge, Pässe Kurven…

2. Tag (08.09.2009)

…wohl wissend das es heute keine Berge und Pässe gibt verlassen wir unser Hotel in Olivet.
Das heutige Ziel ist Cahors.

Vorher holen wir meine Lederhose ab… absolut super Reparatur mit einem Metallreißverschluss.

Jetzt begann die Reise nach Cahors.
Auf der Karte und in der Planung eher unspektakulär…
130km Nationalstraße, 270km Autobahn quasi senkrecht nach unten.
Nicht mit uns…
… beschlossen wir.

Die RN (Route Nationale) lassen wir,
trotz ca. 20km Stau (vorbei in ca. 5 min. mit Hilfe der stets freundlichen frz. Sheriffs) schnell hinter uns.
Hier und da ein netter Dorfplatz, aber nicht nett genug um anzuhalten und gar um Fotos zu schießen.
Dann kam der neuralgische Punkt. Das Navi sagte abbiegen auf die Autobahn und 270km dort bleiben… für lau.
Autobahn für lau in Frankreich heisst soviel wie: Es gibt keine RN (Route Nationale) parallel zu eben dieser Autobahn.
Das wussten wir, haben es aber trotzdem probiert… eine Schnapsidee, wie sich bald darauf heraus stellte.

Wir fuhren also nicht auf die Autobahn sondern über viele kleine Straßen kreuz und quer in Richtung Südfrankreich.
Nach ca. 70-80km mussten wir feststellen das wir unserem Ziel nicht nennenswert näher gekommen sind.Nun, wenn es denn so sein soll, dann ist es eben so.
Also doch wieder Richtung Autobahn und ab nach Süden! Irgendwann am frühen Abend waren wir in Cahors.
Ein unauffälliges Städtchen. Wir suchten uns eine Lokalität zum Abendessen
und verbrachten den Rest des Abends im Hotel.

Alles in Allem betrachtet waren die ersten beiden Tage nett aber nicht spektakulär.
Die Landschaft auf der Fahrt erinnerte an die heimischen Mittelgebirge.
Das nächste Mal geht’s anders!

3. Tag (09.09.2009)

Heute ist es soweit… wir werden die Pyrenäen erreichen und dort bleiben!
Nach dem typisch französischen Frühstück… süß und süß… starten wir.
Aber heute wirklich ohne Autobahnen. Unterwegs ein kleiner Zwischenstopp und letzte Vorbereitungen auf’s Gebirge!

Bei wunderbarem Wetter durchqueren wir die Midi Pyrenees und erreichen über verlassene einsame Straßen eins unserer Zwischenziele…

Laut Routenplaner und Navi ein großer See und die Straße geht mitten drüber.
Aber vor Ort sah es dann ganz anders aus. Wir vermuteten schon einen langen Wassermangel in der Gegend,
Aber das? Die paar Tropfen die noch da sind sind weit weit weg.

Na ja, egal.
Wir wollen weder fischen noch baden.
So steigen wir wieder auf die Zweiräder und machen uns auf den Weg.
Aber… 50km vor dem theoretischen Erreichen des Col du Tourmalet (2115m)und Pic du Midi (2877m)
ist von Bergen weit und breit nichts zu sehen.
Wir sind nur auf knapp 800m Höhe… die Berge müssten doch hier irgendwo sein. Verdammt.
Bis hier sind wir gefahren, also geht’s auch weiter. Und auf einmal war es so weit.
Raus aus dem Kreisverkehr in Bagnères-de-Bigorre und weiter in Richtung Etappenziel.
Und siehe da, keine 500m weiter warenen die Silhouetten endlich zu erkennen.

Puh… *schweißabwisch*, also gibt es die Pyrenäen doch 😉

Schnell war klar, jetzt gibt es kein halten mehr.
Auf geht’s zum Col du Tourmalet und geplant war noch ein Besuch des Pic du Midi.

Jetzt kamen endlich die Strecken weswegen wir uns auf den Weg gemmacht haben.Kurven, Kurven und Kurven. Dazu kam gottseidank ziemlich wenig Verkehr.Nach einigen Hin und Her zum warm werden ging es dann endlich los.
Der erste Pass ruft und die Kilometer bis hinauf sind göttlich!

Weiter geht’s durch einige Galerien und unter Berücksichtigung der frei laufenden Ziegen hinauf zum Pass.
Oben machen wir eine kurze Pause mit Mampf und genießen die Aussicht auf eine wundervolle Abfahrt,
allerdings am nächsten Tage erst.
Heute fahren wir runter so wie wir hoch gekommen sind!

Die letzten ca. 60km geht es zu unserer Unterkunft in Estarvielle.
Der Weg führt uns über der Col d´Aspin (1490m) und wunderschöne Ausblicke
nach Arreau und Bordères-Louron.

Angekommen in der Unterkunft bei Frederic gab’s erstmal ein Gläschen Freibier zum Empfang… sehr gut!
Danach bezogen wir die Zimmer, ich bekam (weil Frühaufsteher) ein Einzelzimmer.
Fenster auf und Ausblick genießen. Ich freue mich schon auf’s aufstehen!

Als wir so die Klamotten auspackten und uns was frisch machten knatterte es laut vor dem Hotel.
Was‘ n das? Öhm, die Karre kennen wir doch… das ist doch… nee, oder?
Doch, es war Helmut/ Haubachtaler.
Eigentlich zu Hause im Bergischen Land verbringt er viel Zeit auf seiner Ferienranch in Frankreich
und stattet uns überraschenderweise einen Besuch ab.

Jetzt suchen wir auf dem Weg zum Abendmahl noch eine Bleibe für ihn und flugs
ging es weiter bzw. zurück nach Arreau, ein sehr schönes Örtchen!
Dort fanden wir 5min vor der Angst noch einen Supermarkt für die wichtigen Sachen im Leben 😉
und im Zentrum eine Lokalität um den Bauch zu füllen.

Der Weg nach Hause war schon etwas frischer, die Sonne war weg und das merkte man deutlich.
Aber wir hatten nur ca. 11km, das war ok.
Im Hotel gab es noch ein Bier an der Theke und dann viel zu erzählen!

Tag 4 kann kommen…

4. Tag (10.09.2009)

Der Morgen beginnt, wie zu erwarten war, traumhaft.
Ich schaue der Sonne beim Beleuchten der Berge zu!
So stehe ich doch gern zeitig auf und mache mir einen Espresso mittels Tauchsieder und Instantpulver.

Estarvielle liegt günstigerweise direkt an der Passstraße zum Col de Peyresourde,
den heben wir uns aber für morgen auf.
Heute gibt es nochmal den Col d`Aspin und Col du Tourmalet, die wir ja von gestern schon kennen.
Das hochjagen der V2’s macht aber trotzdem wieder einen Gigaspass
und die Aussicht ist ebenfalls wieder wunderbar.

Es geht die eben gesehene Bergstrecke bergab.
Leider liegen hier etliche kleinere und teils auch größere Gesteinsbrocken auf der Fahrbahn.
Leidtragende sind hier vorallem die Radfahrer, die dünnen hart aufgepumpten Reifen platzen sehr schnell.

Wir jedoch überstehen alles ohne Komplikationen und begeben uns auf den Weg zu Circle du Gavarnie.
Auch diese Fahrt, die letzten Kilometer sind quasi Sackgasse, ist wunderschön.

Bei besten äußeren Bedingungen und wieder wenig Verkehr fahren wir dem Touristenhighlight entgegen!
Angekommen in Gavarnie können wir dank der Mittagspause der Parkwächter kostenlos parken.
Sonst kostet das 4€/ Motorrad :-/
Weiterer Wehrmutstropfen… es geht nur per Pedes weiter ;-), egal, das tut mal gut.
Sind ja nur ca. 500m und ich muss meine Mitstreiter motivieren.
Der Weg lohnt sich aber auf jeden Fall, außerdem sind wir deswegen ja hier her gefahren.
Da ist es nun, Gavarnie und dessen Circle! Sehr beeindruckend!

So verweilen wir ein paar Momente in Gavarnie,
verspeisen unser tägliches Baguette (als Sandwich bezeichnet) und geben der Leber auch was zu tun!

Zurück geht es über die besagte Sackgasse bis nach Saint-Sauveur und von da nach Argelès-Gazost.
Dort biegen wir links ab in Richtung Laruns und überfahren den
Col du Soulor (1474m) und den Col d`Aubisque (1709m).

Angekommen nach fantastischen Kilometern in Laruns
führt uns eine sehr gute Straße nach Spanien hinein.

Frederic, unser Gastwirt in Estarvielle empfahl uns eine kleine Ausweichroute,
welche ich auch schon in’s Auge gefasst hatte. Er meinte es wäre eine schöne Strecke.
Landschaftlich hatte Frederic sehrwohl recht, fahrtechnisch für unsere Boliden war das eine 46km-Katastrophe.
Allerdings hatten wir dann mittendrin einen echt schönen Ausblick.

Nun, irgendwann hatten wir den extremen Mix aus Schotter, Schlaglöchern, Umleitungen,
Pfadfinderwegen und Nix endlich hinter uns. *Puh*
Den Rest der Rückreise verbrachten wir wieder auf einer der fantastischen
Schnellstraßen Spaniens… mit Tempo 100.
Kurz vor der Grenze tankten wir noch zum viel günstigerem Kurs als in Francia
und schon ging es via Bielsatunnel zurück nach Frankreich.

Nach einer Zwischenmahlzeit angekommen in der Unterkunft bei Frederic gab es noch eine kleine Überraschung.
Helmut hatte zum Start ein 5l-Kölsch-Fass bei mir abgegeben.
Ich tat es in das Waschbecken um es irgendwie abzukühlen und kühl zu halten.
Frederic, der Herbergsvater empfang mich mit einem Lächeln auf den Lippen,
welches mir eine „little Surprise“ mitteilen sollte.
Und so war es auch.
Das 5l-Fass hatte der Zimmerservice entdeckt und Frederic hat es den ganzen Tag in sein Kühlhaus gepackt.
So hatten wir zum Abschluss diesen wundervollen Tages gut gekühltes Bier für uns!

So kann und darf ein perfekter Tag enden.

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